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Vivian Maier – au bord du monde

Verantwortlicher Autor: Prof.Dr. Peter Schroeder Royan/Saint-Palais-su-Mer, 24.09.2025, 09:40 Uhr
Presse-Ressort von: Prof.Dr. Peter Schroeder Bericht 5058x gelesen
Maison des Douanes - Saint Palais sur Mer
Maison des Douanes - Saint Palais sur Mer  Bild: Prof.Dr.Peter Schroeder

Royan/Saint-Palais-su-Mer [ENA] Der schön begehbare Zöllnerpfad erstreckt sich zwischen dem Strand von Nauzan in Vaux-sur-Mer und Saint-Palais-sur-Mer über eine Länge von 4 Kilometern. Er schlängelt sich malerisch entlang der Küste bis zum Strand Grande Côte in Saint-Palais-sur-Mer.

Gleich zu Beginn passieren Besucher das Maison des Douanes, das Zollamt. Das 1729 erstmals errichtete Gebäude beherbergte die Beamten, die für die Erhebung der Steuern zuständig waren. Es erhielt 1792 seinen Namen und musste 1840 renoviert werden – zu einer Zeit, in der die Umgebung von Villen und Badehäusern geprägt wurde. Vor etwa zwanzig Jahren wurde das Gebäude von der Communauté d'Agglomération Royan Atlantique (CARA) erworben, erneut renoviert und zu einem Ort der Kultur und Kunst umgestaltet. Seit 2017 finden dort Ausstellungen statt.

In diesen Tagen ist hier eine Ausstellung zu sehen, die der amerikanischen Fotografin Vivian Maier unter dem Titel „Au bord du monde“ gewidmet ist. Die Ausstellung zeigt den außergewöhnlichen Werdegang einer Frau, die, ohne es zu wissen oder anzustreben zu den bedeutendsten Fotografinnen und Fotografen des 20. Jahrhunderts gezählt werden muss. Vivian Maier wurde am 1. Februar 1926 als Tochter eines deutschstämmigen Vaters und einer französischen Mutter namens Marie in New York geboren. Nach der Trennung ihrer Eltern zog Vivian mit ihrer Mutter zur in der Bronx lebenden Fotografin Jeanne Bertrand (1880–1957), die aus demselben französischen Champsaur-Tal stammte wie die Vorfahren ihrer Mutter.

1950 erbte sie mit Beauregard den Bauernhof der Familie und fotografierte in einem Ausmaß, das sie in den Augen der Dorfbewohner verdächtig machte. Zurück in New York verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Nanny und finanzierte sich so ihre Leidenschaft, bald mit einer Rolleiflex. Eine professionelle Karriere stellte sie hinter die gesicherten Einkünfte als Kindermädchen, doch sie konnte mit ihren Auftraggebern Kanada und den Westen der USA bereisen und fotografieren. Elf Jahre, bis 1967, verbrachte sie in den Diensten einer einzigen Familie, in deren Keller sie eine Dunkelkammer einrichtete.

Während eines halbjährigen Sabbaticals bereiste sie 1959 die Philippinen, Indien, den Jemen und Europa und besuchte dabei zum letzten Mal ihre französische Heimat. Ab 1967 arbeitete sie in mehreren anderen Nanny-Positionen, wechselte zur Leica und zu Farbdiapositiven und begann, ein Archiv mit Kontaktabzügen und unentwickelten Filmen ihrer Aufnahmen anzulegen, das sie in angemieteten Selfstorage-Räumen unterbrachte.Vivian Maier starb am 21. April 2009, ab 2007 zahlte sie nicht mehr für den angemieteten Platz. So geriet der Inhalt, über 30.000 Fotos, über eine Versteigerung an den amerikanischen Immobilienmakler John Maloof. Dieser trug mit ersten Veröffentlichungen im Internet dazu bei, dass Vivian Maier als Fotografin „entdeckt“ wurde.

Die ersten Ausstellungen erfolgten 2010 in Oslo und ein Jahr später in Chicago. In diesem Jahr haben sich drei Institutionen Vivian Maier gewidmet: die Münchner Galerie Ira Stehmann – Fine Arts, das Centro Culturale Altimate/San Gaetano in Padua und das Maison des Douanes in Royan/Saint-Palais-sur-Mer. Das Zollamt bietet eine neue Interpretation von Maiers Werk und richtet, dem ursprünglichen Charakter des Gebäudes folgend, den Blick auf Reise, Gegend, Personen und Abenteuer. Hier entdeckt der Besucher zum ersten Mal ein Kapitel aus dem Leben von Vivian Maier, das bisher im Verborgenen lag: die fotografische Dokumentation der bereits erwähnten Weltreise von 1959.

Vivian Maier dokumentierte als zunächst unentdeckte Künstlerin das Wesen des amerikanischen Alltags und das Leben der von ihr bereisten Welt mit einem menschlichen, dennoch scharfen, ironischen Blick. Die Ausstellungen 2025 Vivian Maier – au bord du monde; Maison des Douanes in Royan/Saint-Palais-sur-Mer, bis 2.november 2025 Vivian Maier - The Exhibition; Centro Culturale Altimate/San Gaetano in Padua bis 28. September 2025 The Eye of Vivian Maier – Myth in the shadows; Galerie Ira Stehmann – Fine Arts bis 15.Janaur 1926

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