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Herbie Hancock in Bergamo

Verantwortlicher Autor: Prof.Dr. Peter Schroeder Bergamo, 22.07.2025, 17:10 Uhr
Presse-Ressort von: Prof.Dr. Peter Schroeder Bericht 6358x gelesen

Bergamo [ENA] Wer zu den älteren Lesern gehört, erinnert sich noch daran, in späten Teenager-Jahren Michelangelo Antonionis britisch-italienischen Thriller „Blow Up“ gesehen zu haben, der 1966 in die Kinos kam. Von den Protagonisten – Antonioni (1912-2007), David Hemmings (1941- 2003), Jane Birkin (1946 -2023), Sarah Miles (*1941), Vanessa Regrave (*1937), Vera Gräfin von Lehndorff (*1939) leben einige nicht mehr.

Zu ihren Zeitgenossen gehörte Herbert Jeffrey „Herbie“ Hancock (*1940), der den unvergessenen Soundtrack des immer wieder sehenswerten Films schrieb. Es ist müßig, hier seine Karriere zu beschrieben oder seine musikalischen Klassiker zu erwähnen, darunter „Cantaloupe Island“ oder „Maiden Voyage“, die vor 60 Jahren auf Blue Note erscheinen sind. Das Label wurde 1962 Geburtsort seines ersten Albums „Takin´ Off“ mit den damals schon arrivierten Dexter Gordon und Freddie Hubbard. Ein Jahr später wurde er Mitglied des zweiten Quintetts von Miles Davis, dem er bis 1968 treu blieb. Eine erste Einspielung wurde „Seven Steps to Heaven“.

Mit zwei Sprüngen in die aktuelle Zeit: Mit seiner Keytar wurde er stilbildend und mit dem Album „Possibilities“ spielte er gemeinsam mit Pop-Artisten wie Sting, Paul Simon oder Carlo Santana. All das mündete in 14 Grammy Awards, eine umfassend und vielfältige Diskografie, unablässig stil- und genreübergreifend sowie Oscar-verdächtige Filmmusiken und machen Herbie Hancock zu einem der repräsentativsten Künstler der modernen Musikgeschichte der letzten 60 Jahre. Er ist eine lebende Legende, ein freier Geist, dessen (viele Musik (-Stile) –von Jazz bis Funk, von Hip-Hop bis zu anspruchsvollem Pop – die Klangvorstellungen seit den 1960er Jahren, seit einigen Generationen unauslöschlich geprägt hat.

In diesem Jahr gibt er auf seiner European Tour zwischen Ende Juni und Anfang August mehr als 20 Konzerte, beginnend im polnischen Bielsko-Biała und einem Abschluss Anfang August in Kopenhagen, die umrahmt wird von Auftritten in den USA. Vielleicht nicht besonders bemerkenswert, aber der Mann ist 85 und spielt ohne Unterbrechung 2 Konzertstunden lang. Das es Bergamo wurde, um ihn zu hören, war Zufall und terminbedingt und jeden der 500 Kilometer der Anreise wert. Zu hören war eine Meisterklasse in modernem Jazz. Mit dabei waren Trompeter und Keyboarder Terence Blanchard (63), der als Wayne Shorter Tribute dessen „Footprints“ neu arrangiert hatte. Lionel Louke (52) an der Gitarre, James Genus (59) am Bass

und der erst 26-jährige Schlagzeuger Jaylen Petinaud (er sei jünger als ein Enkel, so Hancock). Diese fünf mit Hancock an der Spitze schufen eine Mischung aus Jazz, Funk, Synthesizer-Texturen mit der Keytar in den letzten Nummern, von „Butterfly“ über „Actual Proof“, unterbrochen vom Vocoder-Solo des buddhistischen Sermons „There is only one family“ bis hin zu einer atemberaubenden Version von „Footprints“ eine live und lebendige Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Jazz.

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